Mein Klavierunterricht – Zum Lernen

1. Schüler und Lehrer
Der Schüler betritt den Unterrichtsraum zur ersten Unterrichtsstunde. Er hat noch keine Ahnung, welch spannende zwischenmenschliche Entwicklung genau jetzt ihren Anfang nimmt. Ebenso wenig weiß er, dass sein Lehrer – wenn alles gut läuft – in einigen Jahren für ihn eine kaum wegzudenkende erwachsene Bezugsperson sein wird. Überlegen Sie: Wieviele erwachsene Personen werden sich in den nächsten Jahren jede Woche regelmäßig eine Stunde ausschließlich mit Ihrem Kind beschäftigen?

Die Verbindung zum Lehrer ist für die meisten Kinder einer der wichtigsten Aspekte des Klavierunterrichts. Sie muss ausreichend tragfähig sein, um dem Schüler über die Durststrecken hinweg zu helfen, die nahezu jeden Schüler irgendwann heimsuchen. Denn: Regelmäßiges Üben ist auf die Dauer für Kinder mühsam, da Regelmäßigkeit und Disziplin gerade das sind, was ihrem natürlichen kreativen Forschergeist so gar nicht entspricht. Dennoch berichten die allermeisten Eltern flautengeplagter Schüler einhellig: „Aber zum Unterricht kommt er/sie immer gerne!“

Um diese Verbindung zum Schüler aufzubauen, muss der Lehrer sich für den Schüler als Person interessieren. Er muss sich auf dem Laufenden halten, was in dem Schüler vorgeht und was ihn gerade beschäftigt. Auch schulische Dinge, Schwierigkeiten mit Klassenkameraden, Lehrern oder der Familie gehören dazu. Diese Informationen sind auch für die Einschätzung der Wochen–Übe–Leistung von großer Bedeutung. Daher sollte der Lehrer sich zu Beginn der Stunde ausreichend Zeit für die Beschäftigung mit der Person des Schülers, seinem Alltag und seinem Befinden nehmen.

Wenn der Schüler dem Lehrer vertrauen soll, darf dieser ihn nicht zu Unrecht tadeln, wenn dieser nicht recht voran kommt. Eventuell braucht der Schüler auch einfach mehr Hilfe bei der Bewältigung einer schwierigen Situation. Da kann ein wohlwollend zuhörender, behutsam abwägender Lehrer durchaus hilfreich sein. Und dies wiederum stärkt dann das Vertrauen des Schülers.