Mein Klavierunterricht – Zum Lernen

3. Langfristig denken – Ruhe bewahren
In unser schnelllebigen Zeit ist Ruhe kostbar geworden. Aber gerade Ruhe ist ein wertvolles Gut, das die Beschäftigung mit dem Klavierspiel zu bieten hat. Ruhe als Grundlage der Konzentration und Aufmerksamkeit will heutzutage aber gelernt sein.

Die erforderliche Einstellung muss mit Hilfe des Lehrers allmählich gefunden werden. Der Lehrer kann dem Schüler etwa dadurch weiterhelfen, dass er ihm immer wieder die Zeiträume verdeutlicht, die erforderlich sind, um einen Lernschritt zu vollziehen.

Ein Beispiel aus dem Unterrichtsalltag:
Ein Schüler – nennen wir ihn Felix – drückt permanent das erste Fingerglied beim Spielen durch. Langfristig muss hier Abhilfe geschaffen werden, da Felix sonst später bei schnelleren Passagen größere Schwierigkeiten zu erwarten hätte. Felix kommt zur Unterrichtsstunde mit der Eingangsbemerkung: „Meine Finger drücken sich immer durch. Ich schaffe das nicht!“ –
„ Aber sicher schaffst du das. Hunderte meiner Schülerhaben Fingerstabilität trainiert und jeder vom Ihnen hatte am Ende stabile Finger. Aber bei den meisten hat das eben ein halbes Jahr gedauert. Daniel B. hat sogar eineinhalb Jahre dafür gebraucht. Heute spielt Daniel Beethoven–Sonaten und denkt schon seit Jahren nicht mehr an durchgedrückte Finger. Wir werden die Fingerhaltung einfach immer wieder beibiegen, irgendwann ist das Thema dann erledigt!“

Zunächst wird der Druck aus der Situation genommen: „Es ist gar keine Frage, ob du das schaffst! – Das darf ruhig seine Zeit dauern, das ist ganz normal.“ Anschließend wird dem Schüler die Sorge genommen, er müsse sich jetzt immer intensiv mit etwas so Langweiligem wie Fingerstabilität beschäftigen. Zu guter Letzt muss ich als Lehrer nun auch meinen Aussagen gemäß handeln und darf der Fingerstabilität in den folgenden Stunden kein übertriebenes Gewicht zukommen lassen.