Mein Klavierunterricht – Zum Lernen

4. Durchhalten – der Schlüssel zum Erfolg
Bei jedem Schüler gibt es Zeiten, in denen es nicht so richtig voran gehen will. Kinder und Jugendliche müssen sich mit vielen Dingen auseinandersetzen: Schule, Freunde, Sport und später die ersten Tändeleien. Daneben muss immer genügend Raum für Hobbies und, wie man heute so schön sagt, zum „Chillen“ (Ausruhen) bleiben. Gegen Ende der Pubertät führt diese Vielfalt im Leben nicht selten zu einem Kollaps des Wochenplans, aus dem sich der Jugendliche dann erst wieder befreien muss. Hinzu kommen noch die hormonellen Veränderungen und Wachstumsschübe. Das kann nicht immer so glatt laufen, auch wenn wir es gern so hätten.

Viele Schüler haben das Klavierspielen über einen Zeitraum von mehr als zehn, manche sogar mehr als fünzehn Jahren gelernt. Die meisten haben irgendwann Phasen durchgemacht, in denen der Fortschritt fast völlig stagnierte. Einige dieser Phasen dauerten über drei Jahre (!).

In einem dieser Fälle hatte ich schon fast aufgegeben –und der Schüler ebenso. Aber dann, als wir beide schon gar nicht mehr recht daran glaubten, entdeckte der Schüler das Klavier plötzlich als etwas ihm ganz Persönliches. Es war, als hätte sich ein Schalter in ihm umgelegt. Er begann, zum Erstaunen seiner Eltern, ein bis mehrere Stunden täglich zu üben, wurde sogar unzufrieden, wenn er mal etwas weniger Zeit zum Üben hatte. Er hörte vermehrt Klaviermusik–CDs, besuchte Konzerte und suchte sich Mitmusiker für Kammermusik. Seine Neugier wuchs zusehends. Er nahm aktiv Einfluss auf die Literaturauswahl im Unterricht und bekam Freude am fachsimpeln. Als er dann später seinen Klavierunterricht wegen des anstehenden Studienbeginns beenden musste, spielten die Jahre, in denen er einfach nur durchgehalten hatte, für die Qualität seines Klavierspiel keine Rolle mehr. Durch seine entdeckte Liebe zum Klavier hatte er in den darauf folgenden Jahren jene Zeit mehr als wieder aufgeholt.


Das Lernen verläuft zumeist in Schüben oder Wellen, so dass kleinere oder mittlere „Durchhänger“ erst einmal unbedenklich sind. Je stärker die Kreativität des Schüler ausgeprägt ist, desto stärker können sich sich diese Wellen bemerkbar machen. Einen direkten Zusammenhang zum gesamten Lernfortschritt habe ich aber im Laufe meiner Dozententätigkeit nicht feststellen können. Länger andauernde Tiefs werden durch nachfolgende adäquate Hochs in der Regel wieder ausgeglichen.


Fazit: Phasen der Stagnation sind Bestandteil der Lernentwicklung, die als normal einzustufen sind.